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Reisetagebuch der Paleo-Seti Reise Peru und Bolivien
vom 20. April bis 8. Mai 2004

Im Frühjahr 2004 machte ich eine jahrelang ersehnte Paleoseti Reise nach Peru und Bolivien. Meine drei Hauptziele: Nazca, Tiahuanacu/Puma Punku und Cuzco/Saqsayhuaman. Die Fotos auf dieser Seite sind Eindruecke von Land und Leuten.

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und beachten Sie meine
Copyright Hinweise, die ich hier zusammengestellt habe.

20 April: Flug Halifax - Newark. In aller Herrgotts Frühe mit einem Embraer Jet, dem kleinsten Jet in dem ich je geflogen bin. 7 Stunden Wartezeit in Newark, New Jersey. Flug nach Lima startet mit 1 Stunde Verspätung. Es sollte einmal eine psychologische Studie bei Flugreisen gehalten werden. Ich bin nämlich der Meinung, dass der menschliche Geist bei Langstreckenflügen in eine Art vegetatives Stadium übergeht. Bei manchen trennt sich der Geist vom Körper aus Angst er könnte realisieren, dass die Beine und Füsse nach 8 Stunden nur noch wassergefüllte Klötze sind. Andere Fluggäste wiederum befinden sich in einer Art Halbschlaf in dem sie schnarchend ein Buch lesen und doch umblättern. Die Seligen sind die handvoll Passagiere, die es schaffen, eine Minute nach dem Start einzuschlafen und eine Minute vor der Landung wieder aufzuwachen. Ein anderes Wunder ist, das es Bäckereien gibt, die so kleine Brötchen backen, wie sie einem an Bord eines Flugzeugs serviert werden. Puppenküche?



Der Stadtteil Miraflores in Lima ist sehr zu empfehlen


Das beruehmte Goldmuseum von Lima

21 April: Lima - Zuerst besuche ich das Anthropologische Museum, in dem die Raimondi-Stele und der Tello-Obelisk aufbewahrt werden. Danach besuchte ich das weltbekannte Goldmuseums in Lima in dem man nicht Fotografieren (nicht mal ohne Blitz) darf! Warum wissen die Verantwortlichen wahrscheinlich selber nicht. Wahrscheinlich wollen die Ihre eigenen Dias im angeschlossenen Laden verkaufen. Gott sei Dank ist meine digitale Kamera so klein und leise, so dass niemand merkt, dass ich doch Aufnahmen mache :)

Ich wollte mir eigentlich ein Auto mieten um unabhaengig zu sein. In Lima gibt es zwar schon Leihwagen Firmen, aber die Wagen sind sehr teuer, besonders wenn man plant viel zu fahren. Auch muss ich sagen, dass der Verkehr in Lima SEHR abschreckt. Ich halte mich fuer einen erfahrenen Autofahrer und bin in so ziemlich allen europaeischen Grosstaedten herumgekurft. Aber suedamerikansche Fahrstile sind etwas ganz besonderes, und ich beschliesse mich erst einmal mit dem Bus zu begnuegen.



Auf der Fahrt von Lima nach Nazca
22 April: Lima-Nazca. Abfahrt Lima 10:00. In der Wartehalle des Busbahnhofs wird neben mir einem Touristenehepaar aus England Geld, Pass und Kreditkarte gestohlen. Der Mann war im wahrsten Sinne des Wortes nur eine Minute unachtsam. Man muss aufpassen wie der berühmte "Schiesshund" und sein Gepäck für keine Sekunde aus den Augen verlieren. Am Besten, man hat alles Wichtige immer am Körper.

Die Fahrt an sich ist sehr gut, der Bus ist extrem bequem mit Liegesesseln, Klimaanlage etc. Man kann nicht mekern. Nur das zu laute Gedudel aus den Radiolautsprechern geht auf den Nerv. Die Landschaft, die drausen vorbeizieht, ist sehr karg. Nazca liegt eben in der Wueste.

Ankunft in Nazca 16:00. Wieder ein Kulturschock. Kein Mietwagen weit und breit, man muss alles mit dem Taxi machen und die sehen nicht gerade vertrauenserweckend aus. Es ist Nebensaison und ich scheine weit und breit der einzige Tourist zu sein. Dementsprechend starren mich alle an. Naja... Trotz Herbst in Peru hat es über 35 Grad im Schatten. Mich verwundert, wie wenig entwickelt die Gegend um Nazca doch ist. Die Einheimischen scheinen sich nicht viel um das Weltkulturerbe Nazca Linien zu kümmern. An der Panamerikana, die quer durch die Linien verläuft, liegt links und rechts doch recht viel Unrat.

Ich miete mich im Hotel "Alegria" ein, welches unweit des Busbahnhofes - an dem man von Neppern und Schleppern empfangen wird - gelegen ist, ein. Das Hotel ist ordentlich und sauber, hat einen Pool, Restaurant etc. Die Nacht kostet mich US$ 15.00. Man kann auch im "Nobel" Hotel Nazca Lines einkehren und das vierfache bezahlen. Allerdings schläft man dann auch nur in einem Bett :)

Die
Nazca Linen selbst sind vom Boden aus nicht auszumachen (nicht mal vom recht hohen Bus aus). Die einzigen Hinweise sind die Schilder (es ist verboten, die Linien zu betreten etc.) und der etwa zehn Meter hohe Aussichtsturm, den die Archaeologin Maria Reiche im Jahr 1976 erstellen liess, sind die einzigen Hinweise für eins der mysteriöusesten Rätsel der Menscheitsgeschichte, ja ein möglicher Beweis für den Besuch Ausserirdischer in der Vergangenheit.


23. April: Um 7:30 in der Früh geht's los zum kleinen Flughafen von Nazca. Wegen des Lichts ist ein Flug am Morgen zu empfehlen. In einer (sehr) alten Chessna schwingen wir uns in die Lüfte und schon nach etwa 2 Minuten tauchen die ersten Linien auf. Ich komme mir vor wie in einem Traum, da ich die Linien bisher nur von Fotos kenne. In Wirklichkeit sind die Linien, Pisten und Figuren noch viel eindrucksvoller, da man die Landschaft, die sie umgibt, als Massstab anlegen kann. Ich fotografiere wie ein Bessesener, noch nie habe ich in meiner 35mm Nikon so schnell Filme gewechselt. Selbstverständlich überfliegen wir die "Hauptattraktionen", die Tierfiguren, die alle Touristen hauptsächlich sehen wollen. Mich interessieren die Linien und Pisten mehr, da diese älter als die Figuren sind. Für mich stellen sie das wahre Rätsel von Nazca dar. Manche der Pisten und schnurgeraden Linien sind kilometerlang, schnurgerade and laufen über Bergketten hinweg. Einige kreuzen sich, andere laufen parallel. An einem Punkt, den wir überfliegen, laufen die Linien sternförmig zusammen bzw. auseinander.

Wieder am Boden miete ich mir ein Taxi, welches mich zum Aussichtsturm bringt,
den Maria Reiche 1976 auf eigene Kosten errichten hat lassen. Man muss dazu
sagen, dass die Linien und der Aussichtsturm etwa 25km nördlich der Stadt Nazca
liegen. Leider gibt es in der ganzen Gegend keine Autovermietung, so dass man
immer auf ein Taxi angewiesen ist.

Welches Ereignis hatte die Nazca Kultur dazu veranlasst, diese Monumentalen
Linien und Figuren zu schaffen? Hier in einem der trockensten Gebiete der Erde.
Jeden Tag des Jahres ist es hier heiss, so um die 30 - 40 Grad im Schatten.
"Normale" Arbeit in der Wüste kommt einer Tortur gleich. Manche der Linien und
Pisten sind 50 cm tief und -wie schon gesagt- über 2km lang. Selbst wenn
hunderte Arbeiter an einer solchen Piste in der brütenden Hitze schufteten,
waren die Linien -nur vom Arbeitsaufwand her gesehen und die Logistik und
Planung einmal weggelassen- eine geradezu titanische Meisterleistung.

Nach dem überflug und dem Besuch von Nazca steht für mich folgendes nun
endgultig fest:

* Die offizielle Archäologie weiss sehr, sehr, sehr wenig über die Linien.
Alles ist PURE SPEKULATION. Jeder der über die Paleo-Seti Theorie spöttelt,
tut dies entweder aus Verlegenheit oder hat die Linien selbst noch nie
gesehen. Liesst man die Reiseführer die den unbelesenen Reisenden vorgesetzt
werden, kann einem schon übel werden. Hier ein Auszug vom offiziellen
Reiseführer der in nahezu allen Sprachen ausliegt: "Die wohl extravaganteste
Theorie über die Nazca Linien besagt das die Ebene von Nazca ein
ausserirdischer Raumflughafen war. Diese Idee basiert auf der Tatsache, dass
die Linien und Trapezoiden wie Landebahnen aussehen und diese nur aus der
Luft aus betrachtet werden können. Darüberhinaus soll die Figur die man als
den "Eulen-Kopf Mann" oder "Astronaut" kennt, das Portrait eines Alien sein.
Diese Thörie entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage und Logik, hat aber
einige Gefolgschaft." Tja, um so etwas zu sagen, müsste man die Paleo-seti
Theorie zum Thema Nazca erst einmal kennen...

* Die Linien wurden spezifisch angelegt um ausschliesslich aus der Luft erkannt
zu werden. Alles andere ist Unsinn. Wer's nicht glaubt muss selbst ins
Flugzeug hüpfen.

* Die Linien waren nicht für die Menschen bestimmt von denen sie angelgt
wurden. Es gibt um Nazca genügend Täler, die von Bergen ringsum eingesehen
werden können. Wären die Linien und Pisten "Kult-Objekte" gewesen, wäre es
doch naheliegend sie dort anzulegen, wo sie auch betrachtet werden konnten.

* Die Linien und Pisten sind nicht nur genial angelegt in Ihren Ausmassen,
sondern auch wo sie sich befinden: 1998 schlug auch in Nazca das berühmte
"ElNino" Wetterphänomen zu. Das erste Mal seit mindestens 20 Jahren vielen
heftige Regenfälle in der Ebene von Nazca. Doch keine der Bodenzeichnungen
wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Alle Figuren und Pisten liegen
ausserhalb der Wasserabflusszonen. Die Erbaür wählten also nicht nur das
regenärmste Gebiet der Erde, sie planten eventülle Regenschaür gleich mit
ein!


Die Sandwueste um Nazca gleicht der Sahara


Dann geht es den Pazifik entlang nach Arequipa

24 April: In den Nachrichten habe ich gehört, dass in Bolivien Anfang Mai ein
Generalstreik geplant ist. Das würde das aus für meine Tiahuancu Träume
bedeuten. Andere Reisende berichteten mir, dass es gar nicht so leicht sei von
Peru nach Tiahuanacu zu kommen. Auch der Reiseführer berichtet nichts Gutes.
Tiahuanacu ist nur etwa 40km von der Grenze Perus entfernt, doch die direkte
Strecke wird nicht oft befahren. Man muss den Unweg über Copacabana - einer
Halbinsel am südlichen Ende des Titicacasees - und dann über LaPaz - der
Hauptstadt Boliviens - nehmen. Das Ganze ist ziemlich zeitaufwendig. Zeit, die
ich auf keinen Fall habe, möchte ich mir in Ruhe Cuzco und Umgebung ansehen.
Dazu kommt noch, dass die Ziele Titicacasee, Tiahuanacu und Cuzco allesamt auf
über 3800m liegen. Man muss dem Körper also ein paar Tage Zeit geben um sich zu
aklimatisieren. Da niemand wissen kann, wie der individülle Körper auf die
dünne Höhenluft reagiert, sollte man schon mindestens 2 Tage einplanen, an
denen man nur relaxt.
Ich beschliesse also so schnell wie möglich zum Titicacasee zu fahren. Ich
buche ein Bus-Ticket nach Arequipa, der zweitgrössten Stadt in Peru. Von Nazca
nach Arequipa sind es ungefähr 600km. Die Fahrzeit beträgt aufgrund der
schlechten Strasse etwa 10 Stunden. Der Bus fährt um 15:00Uhr in Nazca ab, und
erreichen um ca. 1:00Uhr morgens Arequipa nach einer landschaftlich
wunderschönen Fahrt. Ein bischen mulmig ist mir schon, als mich der Taxifahrer
der kein Wort englisch spricht um 1:30Uhr Nachts durch die Strassen fährt, an
denen rechts und links im wahrsten Sinne des Wortes finstere Gestalten stehen.
Ich lasse mich zu einem Hotel fahren, welches der Reiseführer als "freundlich
und gut" beschreibt. Als wir ankommen ist alles vergittert und zappenduster.
Nichts regt sich, kein Licht ist an. Zwar steht der Name des Hotels an der
Front, doch wundere ich mich jetzt, ob das Hotel noch existiert. Der Taxifahrer
will jetz sein Geld. Ich deute auf das Hotel und frage "open?". Der Fahrer
zuckt mit den Schultern, er will mich nicht verstehen. Ich versuche ihm
verständlich zu machen, dass ich aussteigen will um zu sehen, ob intelligentes
Leben im Hotel existiert. Ich steige aus, der Taxifahrer denkt wohl, ich wollte
abhaün ohne zu bezahlen. Auch er reisst die Tür auf. In diesem Moment geht -
Gott sei Dank! - im Hotel ein Licht an. Ein Mensch sitzt an der Rezeption.
Eingemummt in einen Daunenanorak, Mütze und Schal öffnet er uns die Tür. Es hat
vielleicht 14Grad +. Ich bin im T-Shirt und mir ist warm - 6 Jahre kanadische
Winter härten ab...
Es löst sich alles in Wohlgefallen auf, ich miete ein Zimmer und bezahle den
Taxifahrer. Das Ziimmer ist eins von der schlimmsten Sorte, das Bett ist eine
Zumutung, keine Handtücher, kein Toilettpapier. Aber um 2:00Uhr morgens nach 10
Stunden Busfahrt ist das egal, man will nur schlafen.



Arequipa. Im Hintergrund der Vulkan Misti
25 April: Arequipa soll eine wirklich schöne und interessante Stadt sein, sagt
der Reiseführer. Allerdings soll es viele Gauner und Banden geben und für die
ist man als Alleinreisender besonders anfällig. Ich beschliesse daher nicht zu
lange in Arequipa zu bleiben, zumal die Hauptattraktion ein spanisches Kloster
ist, welches sicherlich schön ist aber mich nicht sonderlich interessiert.
Aufgewachsen in Bayern kenne ich katholische Klöster zur Genüge. Ich möchte
nach Tiahuanacu - hoffentlich klappt's. Schliesslich bin ich auf Paleo-Seti
Reise. Ich möchte meine email lesen und gehe die Strasse hinunter um mich in
einem der vielen Internet Cafes einzumieten. Der Betreiber des Internet Cafes
ermahnt mich, furchtbar aufzupassen, da ich alleine bin und es in Arequipa
viele Diebe gibt. Ich setze mich in das nächste Taxi und fahre wieder zum
Busbahnhof um die Weiterreise nach Puno am Titicacasee zu arrangieren. Ich
erfahre, dass der Bus um 9:45Uhr abfährt und jetzt ist es 9:40Uhr. Der indigene
ältere Herr hinter dem Tresen kommt sichtlich ins Schwitzen, als er alle meine
Daten in den Computer eingeben muss. Warum man bei einer innerperuanischen
Fahrt die Pass # und sein Alter angeben muss, wissen wahrscheinlich nur die
Inka-Götter. Bei meinem Namen ist der Herr total überfordert, ich halte ihm
meinen Pass hin in dem der Name ja gedruckt ist. Es ist jetzt 10:00Uhr und nach
einigem Buchstabieren spuckt der Computer nun endlich mein Ticket aus.
"Terminal 139, senior", sagt er, gefolgt von einem "Vamos!" und "Arriba!".
"Terminal 139? - Wo ist das?" Der Herr macht gar nicht erst den Versuch mir zu
erklähren, wo Terminal 139 sei. Er springt hinter dem Tresen hervor und ruft
"Follow, senior". Jetzt hetzen wir qür über den riesigen Busbahnhof raus aus
dem ersten Gebäude, vorbei am Zweiten, am Dritten. Jetzt wird mir deutlich,
dass wir uns schon auf 2600m befinden, die Luft ist schon merklich dünner. Um
10:15 kommen wir am Terminal 139 an, den ich alleine nie und nimmer gefunden
hätte. Der Bus müsste schon seit über einer halben Stunde abgefahren sein. Gott
sei Dank ist er noch da.
Die Fahrt nach Puno ist herrlich, es geht hinauf in die Andine Bergwelt. Mein
GPS zeigt über 4500m, als die ersten Lamas und Alpacas links und rechts der
Strasse faulenzen. Nach drei Stunden Fahrt zeigt sich bei den ersten Fahrgästen
- einer Reisegruppe aus Italien - Zeichen der Höhenkrankheit. Einigen ist es
sichtlich übel, sie verschwinden immer wieder in die Bordtoilette um
kreidebleich 10 Minuten später wieder in den Liegesitz zu fallen. Ich selbst
habe etwas Kopfschmerzen, bis jetzt nichts Schlimmeres.
Um 16:00Uhr erreicht der Bus Puno, eine malerische Stadt am Titicacasee. Von
hier aus hoffe ich eine Verbindung nach Tiahuancu zu bekommen. Ich miete mich
in ein Hotel ein und gehe Abends auf den Markt. Jetzt schlägt auch bei mir die
grossse Höhe zu. Ich habe starke Kopfschmerzen, Schwindelgefühle und etwas
Atemnot. Ich ruhe mich im Hotel aus und entscheide mich den nächsten Tag in
aller ruhe zu verbringen.


Die Stadt Puno liegt herrlich in einer Bucht am Titicacasee.


Das Volk der Uros lebte fuer Jahrtausende auf Schilfinseln im Titicacasee. Heute halten ihre Nachfahren diese Tradition aufrecht.


Kinder werden in Schilf-Schulen unterrichtet.


Die traditionellen Bauten der einfachen Leute sind eher schlicht und grau. Doch die Textilien...


Das Getreide wird gemalhen wie vor Jahrtausenden. Viele der Inkafrauen tragen die traditionelle Tracht, die ihnen die spanischen Kolonialherren befahlen zu tragen.

26 April: In der Nacht konnte ich überraschend gut schlafen. Normalerweise sind
Schlafschwierigkeiten ein Zeichen der Höhenkrankheit. Ich fühle mich um Längen
besser als gestern. Ich plane einen Ausflug zu den berühmten schwimmenden Insel
des Titicacasees. Doch vorher erkundige ich mich um eine Busverbindung nach
Tiahuanacu. Ich erfahre, dass ein Teil der kurzen Direktverbindung über
Desaguadero seit Wochen bestreikt wird. Busse fahren nur zur
peruanisch-bolivianischen Grenze, man muss umsteigen und wegen des Streiks auch
noch ein paar Kilometer zu Fuss gehen. Das alles ist mir ein wenig zu suspekt.
Auch bietet keines der örtlichen Tourbüros einen Ausflug nach Tiahuanacu an.
Was die Büros zur genüge anbieten sind Busfahrten nach LaPaz. eigentlich wollte
ich diesen Umweg nicht machen, aber es scheint die einzig vernünftige Lösung zu
sein. Ich buche also für den nächsten Tag einen Bus nach La Paz, Bolivien.
Für den Nachmittag aber plane ich einen Ausflug zu einer Stätte über die ich
durch Zufall in einem Archäologischen Magazin gelesen hatte. Die Prä-Inkaische
Sillustani ist in jeder Hinsicht ungewöhnlich im Südamerikanischen Raum.
Traumhaft gelegen auf einem Hochplateau, das einen riesigen See überblickt, ist
es die einzige Stätte Südamerikas mit Grabtürmen. Ungefähr zwanzig dieser Türme
sind bis heute zu sehen. Wie schon gesagt, ist die Stätte prä-inkaisch. Die
Inka jedoch übernahmen seltsamerweise die Tradition der Grabtürme von den
Aymara. Und so erkennt man denn auch einen riesigen Unterschied in der Bauweise
der Grabtürme. Während die Aymara Türme relativ grob gebaut sind und stark an
schottische Brochs erinnern, sind die Türme aus der Inka Zeit in perfekter Inka
Manier errichtet. Ja, die Inka errichteten sogar ihre Türme über den Aymara
Türmen. In den Türmen wurden Tote in einer hockenden Stellung beigesetzt.
Wie schon gesagt ist Sillustani einzigartig. Nicht nur der Türme wegen.
Irgendetwas Spezielles musste es mit diesem Ort auf sich haben, denn die Inka
waren nicht gerade dafür bekannt, religöse Gebräuche und Riten von
Vorgängerkulturen zu übernehmen. Warum entwickelte sich gerade hier ein Kult
mit Grabtürmen?
Sillustani liegt auf 4300m. Keuchend pfeift man auf dem letzten Loch, wenn man
sich langsam von der Strasse auf den Hügel kämpft. Majestätisch drohnt ein
Begräbnisturm in bester Inka Bauart auf der Spitze des Berges.
Doch die eigentliche Sensation von Sillustani liegt etwa auf halbem Weg zu den
Türmen und dient - wenig beachtet - nicht akklimatisierten Touristen als
Rastplatz. Hier befibdet sich der sogenannte "Sonnentempel" von Sillustani. Von
einem Tempel ist aber weit und breit nichts zu sehen. Hier befinden sich auf
riesigen, uralten Basissteinen zwei waschechte Steinkreise, die man von
England, Schottland und Irland her kennt. Würden keine Lamas links und rechts
grasen, man könnte vergessen auf welchem Kontinent man sich befindet.
Der grössere (etwa 15m Durchmesser) der beiden Kreise hat einen Eingang der
genau 30Grad Nord Ost ausgelegt ist.
Der zweite Steinkreis schliesst sich dem ersten an und liegt an der Ostseite
des ersten Kreises. Blickt man von der Mitte des ersten Kreises zu dessen
Eingang, steht etwa 100m weit entfernt in genau dieser Linie ein etwa 1.80m
hoher Monolith.


Ein Streik unterbricht die Weiterfahrt: Eine Bruecke ist blockiert.


Der Bus wird kurzerhand auf ein Floss geladen. Die Fahrgaeste muessen aussteigen.


Die Peruanisch-Bolivianische Grenzstation.


Die fahrt Puno-La Paz ist einfach herrlich. Hier ein Blick auf den Titicacasee und die Cordilera Real.


Der Titicacasee.

27. April: Um 07:00Uhr startet der Bus von Puno, Peru nach LaPaz, Bolivien. Wir
fahren ungefähr 50Km als uns der Busfahrer eröffnet, dass in der kleinen Stadt
vor uns gestreikt wird, die einzige Brücke über den Fluss den wir überqüren
müssen blockiert ist und wir alle mit Sack und Pack zu Fuss über die Brücke
laufen müssen. Auf der anderen Seite würde ein anderer Bus auf uns warten, mit
dem wir unsere Fahrt fortsetzen könnten. Was jetzt kommt ist nur schwer mit
Worten zu beschreiben. Etwa 100 Busse und unzählige Kleinbusse, PKWs und
sonstige Transportmittel staün sich in einem kleinen, staubigen Ort. Man sieht
vor lauter Staub kaum 100 Meter. Tausende von Menschen machen einen
unglaublichen Lärm. Hunderte Menschen drängen über eine Brücke die mit Schutt
und Eisenstangen verbarrikatiert ist. Indio-Fraün mit kleinen Kindern,
Fahrräder, Hühner, Schweine, Schafe, Lamas, Kühe und eine handvoll Touristen
wollen jeweils auf die andere Seite des Flusses. Der Busfahrer rät uns, dicht
beisammen zu bleiben. Aus dem Augenwinkel erkenne ich etwas von der Brücke
hängen, kann aber nicht genau erkennen was.
Wir klettern über die Barrikaden vorbei an fliegenden Händlern, die die Gunst
der Stunde nutzen, um ein paar Soles zu verdienen.
Auf der anderen Seite angelangt, müssen wir noch etwa 5 Minuten warten bis der
andere Bus uns abholt.
Ich frage einen Mitreisenden der etwas englisch spricht, was denn eigentlich
der Grund für den Streik sei. Ich erfahre, dass die Dorfbevölkerung seit drei
Wochen (!) die Brücke blockiert, da sich herausgefunden hat, dass der
Bürgermeister des Ortes Schmiergelder einer unbeliebten Baufirma angenommen
hat. In den letzten Tagen habe sich die Lage derart zugespitzt, dass gestern
ein Mob versuchte den Bürgermeister zu lynchen. Dieser konnte gestern noch mit
einer Blessur entkommen, doch heute war er nicht so glücklich. Die aufgebrachte
Menge hat ihn heute an der Brücke erhängt! Mir fährt ein kalter Schaür durch
Mark und Bein. Andere Länder - andere Sitten!
Die weitere Fahrt nach LaPaz ist ohne grössere Probleme. Der Grenzübertritt
nach Bolivien funktioniert unbürokratisch und völlig reibungslos.
Nach am Abend organisiere ich mir eine Fahrt nach Tiahuanacu -von dessen Besuch
ich schon träume seit dem ich das erste Buch Erich von Dänikens gelesen habe.



La Paz ist eine faszinierende Mischung aus Hexenkessel und Kultur.
28. April: Um 7:00 Uhr morgens startet der Minibus nach Tiahuanacu. Mit mir
fahren noch 6 weitere Interessierte. Auch der obligatorische Guide ist mit von
der Partie, ohne einen Guide scheint die Welt nicht auskommen zu können. Guides
sind immer mit von der Partie wenn sich herumspricht, dass Touirsten etwas
besichtigen wollen. Man muss sich richtig wehren, damit man allein etwas
besichtigen kann. Nach etwa einer Stunde Fahrt erreichen wir den kleinen Ort
Tiahuanacu. Endlich - Ich stehe in Tiahuanacu, nach Nazca geht ein weiterer
Traum in Erfüllung. Gleich zu Beginn sieht man seltsam bearbeitete Steinblöcke
um das Museum von Tiahuanacu welches noch vor dem Eingang der Ruinen liegt.
Überall auf dem eingezäunten Gelände liegen kreuz und quer Diorit Bloecke mit
feinsten Bearbeitungen völlig ignoriert von Archäologen und Besuchern. ...
Jetzt moechte ich nach Puma Punku, dem Ort, von dem ich schon soviel gelesen
habe. "Puma Punku is closed!" sagt mir der Guide. "Was?" frage ich, "Warum?
Wieso?". Der Guide sagt mir, dass in keiner Tour Puma Punku eingeschlossen ist.
"Da sind eh nur ein paar Steine - die sind eh nicht interessant! Ausserdem
werden da zur Zeit Ausgrabungen gemacht und Rekonstruktionen, es ist
geschlossen." Mir schwant Fuerchterliches! Jetzt wird also in
Puma Punku auch
schon "rekonstruiert" Nicht genehmes wird entfernt.
Jetzt platzt mir der Kragen. So kurz vor dem Ziel lasse ich mich nicht stoppen.
"Ich komme hier von Kanada hauptsaechlich fuer Puma Punku - ohne einen Besuch
von Puma Punku gehe ich hier nicht weg. Notfalls stuerme ich durch den Zaun."
Der Guide wird blass, weiss nicht was er sagen soll. Die Mitreisenden werden
aufmerksam, fragen was den Puma Punku sei. Ich erzaehle Ihnen was ich weiss.
"Ja das wollen sie auch sehen!" heisst es. Der Guide ist in der Krise seines
Lebens - Eine Touristenrevolte! Ganz offensichtlich werden hier Guides von
offizieller Seite angehalten Touisten nicht nach Puma Punku durchzulassen.
Ich druecke dem Guide 50 Bolivianos in die Hand, lobe ihn fuer seine
fachkundige Fuehrung und frage nochmals, ob es keine Moeglichkeit gaebe in Puma
Punku ein paar Fotos zu schiessen. 50 Bolivianos sind ungefaehr US$7.00 und
fuer den ueberstrapazierten Guide ein Tageslohn. Ohne ein Wort verschwindet er
mit dem Fahrer und Minibus in Richtung der Anhoehe wo Puma Punku liegt. 5
Minuten spaeter kommt der Minibus mit Guide zurueck. "Senor, gehen sie zum
Huegel, dort ist Puma Punku. Ich mache die offizielle Fuehrung im Museum, dass
sie dort sind weiss ich nicht!" Mit zwei weiteren "Revolutionaeren" starte ich
im Eilmarsch in Richtung Huegel. Das Tor, welches vorher geschlossen war, steht
jetzt offen. Neben einem kleinen Kassenhaeuschen, welches als solches nicht
mehr benutzt wird, liegt eine Wache in Zivil im Grass. Er sieht uns, steht auf,
kann sich aber kaum auf den Beinen halten, denn er ist vollkommen betrunken. Er
stammelt etwas von "Bilettos", wir halten ihm die Eintrittskarten vom Museum
hin. Er laesst einen Wortschwall auf mich los, den ich selbst wenn ich spanisch
koennte wahrscheinlich nicht verstehen wuerde. Ich reagiere nicht, deute erst
in verschiedene Himmelsrichtungen, dann auf mich und sage "Prensa!" das
spanische Wort fuer "Presse". "Ahhh! Prensa!" sagt er, winkt uns durch und legt
sich wieder ins Grass.
Im schnellstmoeglichen Schritt (laufen wollte ich nicht, das kann Leute nervoes
machen), stuerze ich auf den Huegel. Da sind sie, die Ruinen von Puma Punku.
Der Beweis von Hochtechnologie in der Vergangenheit. Worte koennen diese
"Ruinen" kaum beschreiben.
Da muss man Bilder sehen.


29. April: Bolivien ist ein unstabiles Land. 2003 nur haarscharf an einem
Buergerkrieg vorbeigeschrammt, kaempft es immer noch um eine stabile Regierung.
Eine Woche bevor ich die Reise antrat, trat die gesamte Regierung Boliviens
zurueck, da sie die Probleme des Landes nicht zu loesen vermochte. Nun hoere
ich von verschiedenen Quellen, dass um den ersten oder zweiten Mai ein
Generalstreik ueber das Land verhaengt werden soll. Hoechste Zeit also aus
Bolivien zu verschwinden. Zwar wollte ich noch einmal nach Tiahuanacu
zurueckfahren, doch wer will schon mehrere Wochen in einem suedamerikanischen
Land festhaengen? Ich buche also den Bus zurueck nach Peru. Diesmal direkt nach
Cusco, der alten Hauptstadt des Inkareiches. Dort moechte ich sowohl die
sagenhafte Inkafestung Saqsayhuaman besuchen, als auch das Heilige Tal der Inka
mit Macchu Picchu - der traumhaft gelegenen letzten Bastion der Inka im Krieg
gegen die Spanier -, Ollantaytambo mit seinem seltsamen Sonnentempel und
anderen mystischen Staetten.
20 Stunden dauert die Busfahrt. Noch in Bolivien wird mir klar wie knapp ich
dem Streik entgangen bin. Ueberall werden Strassenbarrikaden vorbereitet, an
jeder Ecke stehen bis an die Zaehne bewaffnete Militaers. Ich bin froh, wenn
ich wieder in Peru bin, das etwas stabiler zu sein scheint.
Gott sei Dank habe ich an der Grenze keine Probleme. Allerdings ist mein Pass
jetzt schoen bunt mit einer Menge Ein- und Ausreisestempel. Jeder redet jetzt
von dem Streik, der Bolivien bestimmt fuer ein paar Wochen lahm legen wird.
Die nachfolgende Busfahrt nach Cuzco erweisst sich allerdings als
fuerchterlich. Haette ich doch lieber das Flugzeug genommen. Als ich um 4:30Uhr
am Morgen ankomme, spuere ich meinen Hintern kaum noch...

30. April: Cuzco ist eine herrliche Stadt. Eingebettet in die Anden hat es ein
angenehmes Klima, nicht zu warm und nicht zu kalt.
Ich plane den tag mit einem Stadtrundgang zu starten. Mich interssieren
inbesondere die fantastischen Inkamauern, die es ueberall in der Stadt zu sehen
geben soll. Mein Hotel ist recht zentral gelegen. So muss ich nicht lange
gehen, um vor den ersten Inkamauern zu stehen. Ich habe Glueck, denn gleich die
Erste Mauer ist die eindrucksvollste der ganzen Stadt. Eingebettet in diese
Mauer ist der beruehmte 12-eckige Stein. Die Inka haben wie keine andere Kultur
bis zur heutigen Zeit (unsere eingeschlossen) die Kunst des Mauerbaus ohne
Moertel zur Perfektion beherrscht. ...
Eigentlich wollte ich den Stadtrundgang von Cuzco beenden und mir die
Inkafestung Saqsayhuaman fuer die naechsten zwei Tage aufheben, doch zu sehr
zieht es mich an diesen fantastischen Ort. Mittag nehme ich mir ein Taxi und
lasse mich zur Festung fahren.
Nichts kann einen auf Saqsayhuaman vorbereiten. Kein Foto, Video oder
Beschreibung. Die Steinmauern sind einfach ueberwaeltigend. Mein
Reisefuehrer-Buch bringt es auf den Punkt (Man bedenke, der Reisefuehrer hat
ueberhaupt nichts mit PS zu tun): Doch wer die tonnenschweren, passgenauen,
gigantischen Zyklopenmauern gesehen hat, ist zuerst einmal nur ueberwaeltigt.
Das Bollwerk Saqsaywaman scheint auf den ersten Moment eine Schoepfung der
Titanen in der Daemmerung der Menschheit gewesen zu sein. Die unterste Mauer,
die etwa 600m Lang ist, is das faszinierenste, was ich jeh an Steinmauern
gesehen habe. Raetselhaft ist bis heute der Transport der riesigen Steine,
deren groesster die Ausmasse 9x5x4m hat und etwa 350 Tonnen wiegt.
Dem ist eigentlich nichts hinzuzufuegen. Fugenlose Steinmonstren perfekt
ineinander geschachtelt rufen einem foermlich zu: "Bitte findet eine
Erklaehrung ausserhalb der PS! Ich warte..."
Wie in Trance schreitet man auf und ab. Ich setze mich zunaechst nur mal eine
Stunde staunend auf den Huegel gegenueber den Mauern, starre vor mich hin und
freue mich, dass ich das Glueck habe, hier sein zu koennen.
Die Steine der Mauer sind mit einer derartigen Praezision ineinander
verschachtelt, dass z.T. nicht einmal mehr ein Blatt Papier in die Ritzen
passt. Das ist schon bei Steinen 50x50cm eindrucksvoll, aber hier sind die
Steine 6mx6m und mehr. Welche Technologien moegen die Inka angewandt haben?
Ich steige auf den Huegel gegenueber der grossen Mauer oder genauer gesagt
Mauern, da es drei verschiedene Mauern sind, die uebereinander gebaut sind.
Dort tut sich ein grandioses Panorama auf, man kann fast die gesamte Mauer
ueberblicken. Ich blicke mich um und siehe Einschnitte im Granit. Geradlinige
Schnitte die aussehen wie mit einem heissen Messer in Butter. Wohin man blickt
kann man diverse Nischen, Rechtecke, Kanten und Bogen erkennen. Wozu dienten
diese Schnitte? Ein Block weisst eine Rinne auf, die keine Funktion zu haben
scheint.
Ich steige weiter den Huegel hinauf. Hier liegen Ruinen, die man als solche
nicht bezeichnen kann, und die Erich von Daeniken schon in seinen Buechern
beschrieb. Treppen liegen auf dem Kopf, in den Fels ist - wie in Butter - ein
wahres Labyrinth herausgeschnitten. Alles sieht aus wie von einer
fuerchterlichen Katastrophe zerstoert. Alles sieht tatsaechlich aus wie auf den
Kopf gestellt.
Das Felslabyrinth geht ueber in eine kreisrunde Flaeche.
Hier wurden auch ein paar Graeber freigelegt. Deshalb nennt man die gesamte
Anlage einen Friedhof. Es mag ja sein, dass hier ein paar Mumien gefunden
wurden, ein Friedhof war die Anlage aber bestimmt nicht. Die Archaeologie macht
es sich in ihren Erklaehrungen schon sehr leicht.
...


1. Mai: Wieder bin am fruehen Morgen in Saqsayhuaman. Diesmal will ich mir den
Huegel ueberhalb der grossen Mauer ansehen.
...
Nachmittag gehe ich durch Cuzco zum Kloster
Santo Domingo. Dort hat das grosse
Erdbeben von 1950 das Kloster zerstoert und das "Sonnenheiligtum" Qoricancha
der Inkas freigelegt. Das Kloster wurde wieder aufgebaut aber diesmal mehr oder
weniger ueber den Inkamauern, so dass man die Mauern innerhalb des Klosters
besichtigen kann. Hier soll auch der "Tresor" zu besichtigen sein, den EvD in
seinen Buechern beschreibt [...] Auf den ersten Blick faellt auf, wie perfekt
die Mauern des Sonnentempels gearbeitet wurden. Hier sieht man wohl das beste
Beispiel von Inka-Baukunst. Die Inka Mauern sind nicht nur unglaublich exakt,
sie sind auch Erdbebensicher erbaut. Deshalb haben sie auch das grosse Erdbeben
von 1950 ueberlebt, waehrend die spanischen Kolonialmauern in sich
zusammenfielen.
Dies wurde erreicht durch eine leichte Schraege der Mauern und nicht zuletzt
durch die trapezfoermigen Nischen oder "Fenster".
Ich habe das Glueck ein diesem Tage als einer der ersten eingelassen zu werden,
da das Kloster wegen des Feiertages erst um 14:00Uhr oeffnet. So kann ich eine
Menge Fotos ohne Touristen schiessen und mir alles in Ruhe ansehen. Zumindest
fuer eine halbe Stunde, dann "brechen" die ersten Fuehrungen ein.
Der "Tresor" ist eine trapezfoermige Mauernische. Besonders am "Tresor" sind
eine Vielzahl an Loechern und Rillen links, rechts und oben, die tatsaechlich
an einen modernen Tresor erinnern. Der "Tresor" ist einzigartig im Sonnentempel
und auch sonst habe ich nichts auch nur annaehernd Aehnliches in anderen
Inkaruinen gesehen. Nur in Tiahuanacu gibt es Vergleichbares.
Die offizielle Erklaerung fuer die sehr technisch anmutenden Loecher in Rillen
am Tresor ist, dass einst goldene Idole an Schueren aufgehaengt waren. Was fuer
ein Aufwand um etwas aufzuhaengen! Normale Haken oder Aehnliches haetten es
auch getan. Auch sind die Loecher an Stellen, die mit der "Aufhaengen Theorie"
nicht uebereinstimmen koennen. Auch die Anzahl und die Anordnung der Loecher
und Rillen macht mit dieser Theorie keinen Sinn. Doch dazu speater mehr. Die
Rueckseite des Tresors ist in einem Raum des Sonnentempels.
Auch hier wieder eine aehnliche Anordnung von Loechern und Rillen. In einer
Ecke des Hofes, zwischen den Inkatempeln liegt ein Sammelsurium von Teilen des
Inkatemples, die waehrend der Ausgrabungen 1950 gefunden wurden. Auch hier
wieder hochtechnisch anmutende Bauteile. Meine besondere Aufmerksamkeit erregte
hier ein etwa ein Meter langer Granitblock in den in regelmaessigen Abstaenden
Loecher gebohrt wurden.
...


Von den Ruinen in Pisaq hat man einen wunderschoenen Blick


Das mysterioese heilige Tal der Inka am Abend.


Der Bauernmarkt in Chinchero geht bis in die Nacht hinein.

2. Mai: Heute gehts ins heilige Tal der Inka zu den Staetten Pisaq und der
hochinteressanten Staette
Ollantaytambo. Ich erreiche Pisaq so um 12:00 Mittag.
Die Ruinen liegen gut verteilt auf den verschiedenen Bergruecken. Um zu der
"Hauptruine" zu gelangen muss man etwa eine Stunde einen moderaten Pfad
hochgehen. In der duennen Luft hier oben hoert man allerdings ein paar Lungen
pfeiffen...
Wie die meisten Inka Ruinen sind auch die Haupt-Ruinen in Pisaq um eine
astronomisch ausgelegte megalithische Anlage herum gebaut. Dieser Teil der
Anlage wurde aus einem einzigen Granitblock herausgemeiselt. Um diese Anlage
herum bauten die Inka ihre grandiosen Mauern, die sie in ihrer Perfektion
uebrigens nur an Orten bauten, die sie als ganz besonders wichtig empfanden.
Die meisten Inkamauern sind naemlich ganz "normale" Mauern, die es auf der
ganzen Welt zu besichtigen gibt.
Die Hauptanlage in Pisaq ist ziemlich klein und unspektakulaer, die grandiose
Lage der Anlage lohnt aber einen Besuch (und den etwas anstrengenden Auf- und
Abstieg) allemal.
...

3. Mai: Der Quenqo ist etwa 2km von Saqsayhuaman entfernt, an der Strasse nach
Pisaq. Quenqo ist wie der Chincana Grande ein vielgestaltig modulierter und
ausgehoehlter monolithischer Block von unglaublicher Wucht und Praezision. Der
gesamte 10m hohe und 30m lange Granitblock wurde modelliert. Auf der Oberseite
des Felsens sieht man, dass fast kein mm der Oberflaeche unbearbeitet ist. Wer
hier noch behauptet, dass dies alles mit Steinwerkzeugen der selben Haerte des
zu behauenden Felsens heraugehauen worden ist, muss schon sehr viel Fantasie -
und eine Portion Torheit - haben. Wieder einmal koennen Worte diese "Ruinen"
nicht beschreiben, man muss Bilder sehen.
Mit den spektakulaeren Felsbearbeitungen oberhalb Saqsayhuamans ist es aber bei
weitem nicht genug. Laesst man sich mit dem Taxi zu den etwa 5km entfernten
Inkaruinen von ... und ... fahren, und weisst den Taxifahrer an besonders
langsam zu fahren, nachdem sie alle Gespraechsversuche seinerseits (wo kommen
Sie her? Wann geht's wieder heim?) abgeblockt haben - speatestens jetzt denk
der Fahrer, dass mit Ihnen etwas nicht stimmt :) - werden sie auf der gesamten
Fahrstrecke links und rechts von der Strasse bearbeitete Felsbrocken erkennen.
...


Im Dorf Aguas Calientes rollt der Zug ein und bringt Tuoristen an das Ziel Machu Picchu.


Die Bergkuppe im Hintergrund heisst Wayna Picchu. Auch dort oben haben die Inka gebaut.


In Machu Picchu gelingt fast jedes Bild...


Einfach mal den Blick geniessen!

4. Mai: Der Reisefuehrer sagt: "Wer Macchu Picchu nicht gesehen hat, hat Peru
nicht gesehen". Und das will ich mir ja nicht nachsagen lassen. Gleich eins
vorweg: Billig nach Macchu Picchu zu kommen, oder zu meinen, man entgeht den
Touristenstroemen, kann man sich gleich aus dem Kopf schlagen.
Die Regierung Perus betreibt eine eigene Bahnlinie, die die Touristenstroeme
nach Macchu Picchu befoerdert. Der einzig andere Weg nach Macchu Picchu zu
gelangen ist per Heilcopter. Beides, Bahn und Helikopter sind fuer Peruanische
Verhaeltnisse extrem teuer. Ich buche ein Komplettpaket mit Bahn und Eintritt
fuer die Inka Staette fuer US$110.
Um 5:45Uhr in der Frueh geht es los mit der Bahn. Die Peruaner versuchen hier
mit allen Mitteln am Bahhof und bei den Schaffnern etc. ein Nobles Ambiente zu
schaffen um die exorbitanten Preise zu rechtfertigen. Die Unbequemen Sitze im
Zug trueben diesen Eindruck und spaetestens beim Blick aus dem Fenster, als der
Zug durch die Armenviertel von Cusco rollt, bekommt man ein schlechtes
Gewissen.
Viel zu langsam poltert der Zug seinem Ziel einem Ort mit dem Namen Aguas
Calientes, der als Talstation fuer den Aufstieg zum Macchu Picchu dient,
entgegen. Fur die 122km benotigt er Zug 4 Stunden und um ca. 10:00Uhr komme ich
in Aguas Calientes an.
Macchu Picchu liegt hoch oben auf dem Berg, unsichtbar vom Tal aus. Hier
beginnt der Amazonas Regenwald und obwohl man sich immer noch auf gut 2100m
befindet ist die Luft schon drueckend schwuel. Es braust der Urubamba Fluss
vorbei, der ca. 2000km weiter Flussaufwaerts mit dem ... den Amazonas bildet.
Um Aguas Calientes herum ist dichtester Urwald. Wer Urwald ohne die beruehmten
Insektenschwaerme und belastende Malaria und sonstwelche Impfungen erleben
moechte, kommt hierher. Links und rechts wachsen Bananen, Ananas und
Tabakbaeume in denen sich exotisches Getier tummelt.
Eigentlich war es gar nicht sicher,dass ich hierherkommen konnte. Drei Wochen
zuvor riss naemlich ein Erdrutsch nach heftigen Regenfaellen ein Drittel des
Ortes mitsich.
Auf die Macchu Picchu Besucher warten am Bahnhof schon Busse, die Touristen auf
einer Serpentinenstrasse bis vor den Eingang der Ruinenstaette befoerdert.
Hier ist Tourismus pur, alles aber auch alles ist den Touristen geweiht. Auch
die Preise. Am Eingang zur Ruinenstaette kann man im Nobelhotel (welches sein
Wasser von einer alten Inka Wasserleitung erhaelt) "Macchu Picchu Ruins" fuer
US$180 pro Nacht uebernachten. Das waeren 25 Naechte in dem netten Hotel in
Cuscos Kuenstlerviertel, in dem ich uebernachte!
Die Lage Macchu Picchus ist einfach fantastisch. Beschreibungen werden der
Ruinenstadt nicht gerecht, man muss Bilder sehen.
Wieder einmal bestaetigt sich meine alte Theorie: Wer die schoenen Gegenden der
Welt besuchen will, muss zu alten Ruinen fahren :)
Bei der Rueckfahrt im Zug geht auf halber Strecke ploetzlich nichts mehr. Der
Zug bleibt stehen, alle Lichter gehen aus, der Zug steht mittem im Dschungel.
Draussen scheint der Mond relativ hell, so haben die Leute im Zug wenigstens
ein bischen Licht. Ich frage eine Schaffnerinim immer universellen "Problema?"
"No problema!", sagt sie, aber der Supervisor wird uns bald ueber die Lage
informieren. Der Supervisor wird uns also bald informieren, dass wir kein
Problem haben und deshalb ohne laufenden Zugmotor mitten im Dschungel stehen.
Suedamerika pur!
Als nach zwei Stunden immer noch kein Laut vom Motor der Lokomotive zu hoeren
ist, und wir immer noch im Dunkeln sitzen, richte ich mich langsam fuer eine
Nacht im Zug ein. Naja, Gott sei Dank habe ich fuer morgen nichts besonderes
geplant. Ausserdem ist man in Suedamerika, und da muss man immer auf etwas
spezielles vorbereitet sein. Allerdings muss man wirklich sagen, wie absolut
einwandfrei bis jetzt alles geklappt hat. Nach ungefaehr 3 Stunden gehen dann
ploetzlich die Lichter im Zug an. Der Diesel laeuft, es kann weitergehen. Der
Zugfuehrer versucht nun, die verlorene Zeit hereinzuholen, indem er teilweise
wie ein Hoellenhund ueber die Schienen poltert. Die Waggons krachen und
knirschen an allen Ecken und Enden. Bei der naechsen Haltestelle wird es mir zu
bunt, ich steige aus und fahre mit dem Bus zurueck nach Cusco. In 20 Minuten
erreiche ich den Hauptplatz von Cusco. Am naechsten Tag erfahre ich, dass der
Zug nocheinmal zusammenbrach und erst drei Stunden spaeter im Bahnhof von Cusco
einlief.


5. Mai: Nach dem abenteuerlichen Macchu Pichu Trip gestern der bis tief in die
Nacht gedauert hat, lasse ich es heute eher ruhig angehen. Mal ausschlafen und
den Tag geniessen. Nachmittag lasse ich mich noch einmal mit dem Taxi nach
Saqsayhuaman fahren. Bis zum fruehen Abend schlendere ich ueber das Gelaende
oberhalb der Festung, ich entdecke immer neue, unglaubliche Steinbearbeitungen,
Hoehlen usw.
Mir faellt auf, wie verwittert manche Bearbeitungen schon sind. Diese muessen
uralt sein. "Aus der Daemmerung der Menschheitsgeschichte", wie mein
Reisefuehrer so schoen sagt.

6. Mai: Mein Trip naehert sich leider seinem Ende. Um 7:45Uhr geht mein Flug
von Cusco zurueck nach Lima. Dort kann ich vielleicht noch ein Museum besuchen,
fuer das ich bei meinem ersten Besuch in Lima keine Zeit hatte. Mal sehen.
In Lima angekommen, wohne ich wieder in dem gleichen Hotel, in dem ich schon
vor drei Wochen eingekehrt bin. Ich kann es nur jedem empfehlen, der
preisguenstig in einem guten Stadtteil von Lima sicher unterkommen will.

7. Mai: Rueckflugtag. Irgendwie bringe ich es heute nicht uebers Herz mich
nochein mal ins Verkehrsgetuemmel von Lima zu stuerzen. Auch waren die letzten
drei Wochen doch recht anstrengend. Nachdem ich heute noch 10 Stunden Flug vor
mir habe, lasse ich es ruhig angehen.
Mein Flug geht um 23:24 in Richtung Newark, New York, von wo ich Anschluss nach
Halifax, Kanada habe. Ich strapaziere die Gedult meines Hotels bis aufs
Auesserste, weil ich bis um 18:00 Uhr im Zimmer bleibe :) Dann kommt der Bus
und holt mich in Richtung Flughafen ab. Ich bin der einzige Fahrgast und in der
Abenddaemmerung im Dichten Nebel sieht Lima nocheinmal richtig fremd und
gespenstig aus. Wie fahren an den Straenden Limas entlang, an denen hier Muell
von Lastwagen einfach ins Meer gekippt wird und dennoch etwa 50m weiter
Familien im Meer baden. Suedamerika ist ein faszinierender Kontinent. Man wird
ihn wohl nie ganz verstehen.